Zur Kenntnis des Samenöffnens und der Struktur des hörnernen Gaumens bei körnerfressenden Oscines

Publication Type:Journal Article
Year of Publication:1965
Authors:Ziswiler, V
Journal:Journal of Ornithology
Volume:106
Issue:1
Date Published:1965
ISBN Number:2193-7192
Keywords:Carduelinae, Emberizidae, Erythrura, Estrildidae, Euplectes, Fringilla, Fringillidae, Ploceidae, Ploceinae, Ploceus
Abstract:Zusammenfassung 1.An zahlreichen Formen körnerfressender Oscines wurden der Samenöffnungs-Mechanismus an Hand von Zeitlupenfilmen analysiert, die Struktur des hörnernen Gaumens und des Unterschnabels studiert und Wahlversuche mit verschiedenen Samensorten durchgeführt.2.Es wurden zwei verschiedene Samen-Öffnungsmechanismen beobachtet, das Aufschneiden und das Aufquetschen von Samen. Beim Aufschneiden wird die Samenschale durch Vor-Rückwärtsbewegungen des Unterschnabels von den messerscharfen Unterschnabelrändern aufgeschnitten. Beim Aufquetschen wird die Schale durch Druck gegen ein Widerlager aufgepreßt. Bei den beiden Methoden sind die Beschaffenheit der Schalenränder, der Enthülsungsvorgang und die Art des Schalenauswerfens verschieden.3.Das Aufschneiden der Samen wird als spezielle Öffnungsmethode für Dikotyledonensamen erkannt. Es wird von allen Fringillidae und der Gattung Erythrura der Estrildidae ausgeführt.Das Aufquetschen ist die rationellste Öffnungsart für Monokotyledonen-, vorwiegend Gramineensamen. Die Emberizidae, Neuweltfinken, Ploceidae und die meisten Estrildidae öffnen die Samen durch Aufquetschen.4.Die Gaumen- und Schnabelstruktur der untersuchten Arten ist verschieden und zeigt Anpassungen an die spezifischen Öffnungsmethoden und die Samenbevorzugung jeder Art.Wesentliche Strukturen sind: Die messerscharfen Unterschnabelränder und die profilierten Seitenwölbungen im hörnernen Gaumen bei den Fringillidae. Bei den Samen-Quetschern sind die Unterschnabelränder stumpf. Die meisten Formen besitzen im hörnernen Gaumen spezielle Widerlager, wie Wülste, Platten und Höcker, deren Homologie bzw. Analogie diskutiert wird und die eine wichtige Rolle bei der taxonomischen Bewertung der einzelnen Gruppen spielt.5.Im Wahlversuch sind die einzelnen Fringillidenarten neugierig. Sie prüfen anfänglich das ganze vorgesetzte Sortiment und verlegen sich erst später auf einige Vorzugs-Sorten. Die samenquetschenden Emberizidae, Neuweltfinken, Ploceidae und Estrildidae hingegen verhalten sich mit wenigen Ausnahmen konservativ; sie verlegen sich von Anfang an auf wenige Gramineensorten.6.Der Ablauf der einzelnen Teilphasen des Samenfressens, wie Aufnahme der Samen, Prüfung, Einlegen in Öffnungslage, Öffnen, Enthülsen und Verschlucken, sind bei den Fringillidae in ihrem Ablauf streng fixiert. Einzelne Phasen werden auch bei Hunger nicht ausgelassen. Setzt man den Carduelinae bereits enthülste Samen vor, führen sie vergebliche Öffnungsbewegungen aus.Die verschiedenen Gruppen der Samenquetscher verhalten sich in dieser Hinsicht plastischer. Bei Hunger und z. T. unter Konkurrenzeinfluß verschlingen sie die Körner ungeöffnet.7.Die einzelnen Schnabelstrukturen werden auf Homologie oder Analogie geprüft und daraus Schlüsse auf Konvergenz oder echte Verwandtschaft zwischen den einzelnen Gruppen körnerfressender Oscines gezogen.8.Der taxonomische Wert des Körnerfressens als vorwiegend adaptiver Komplex wird diskutiert.9.Zu den wichtigsten taxonomischen Konsequenzen, die sich aus den vorliegenden Untersuchungen ziehen lassen, gehören:a)Die Zugehörigkeit der Gattung Fringilla zu den Fringillidae, zusammen mit der Unterfamilie Carduelinaeb)die isolierte Stellung der Fringillidae,c)die mögliche, aber keineswegs sehr nahe Verwandtschaft zwischen Emberizidae (Altweltammern) und Neuweltfinken,d)die Zuordnung der Viduinae zu den Ploceidae, und zwar in die Nähe der Euplectes -Arten,e)die deutliche Trennung der Ploceus -Arten und Euplectes -Arten innerhalb der Ploceinae,f)eine basale verwandtschaftliche Beziehung zwischen Ploceidae und Estrildidae, wobei aber der selbständige Familiencharakter der Estrildidae nicht bestritten sondern sogar bestärkt wird.10.Verschiedene andere Aspekte des Körnerfressens werden diskutiert, wie die Adaptationen des Schädels und der Kopfmuskulatur. Zuletzt wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, weitere Studien zum Komplex des Körnerfressens durchzuführen.
URL:http://dx.doi.org/10.1007/BF01670789
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